Rechtsprechung

Rechtsprechung und Entscheidungen im Bereich KI

Auf dieser Seite informieren wir Sie über relevante Gerichtsurteile und -entscheidungen rund um künstliche Intelligenz. Zwar ergibt sich in Deutschland und den meisten europäischen Ländern die Rechtslage in erster Linie aus den Gesetzen. Gerichtliche Entscheidungen sind jedoch von großer Wichtigkeit, wenn es um die Auslegung dieser Gesetze geht. Zudem kann auch der Blick über den Tellerrand in andere präzedenzbasierte Rechtsordnungen, wie etwa die USA, interessante Einblicke gewähren.

 

DEUTSCHE ENTSCHEIDUNGEN (Gerichte)

 

Bundespatentgericht: Künstliche Intelligenz ist kein Erfinder (11. November 2021)

Das Bundespatentgericht hat entschieden, dass eine Künstliche Intelligenz nicht Erfinder im Sinne des § 37 Abs. 1 PatG sein kann. Ausschließlich natürlichen Personen kann demnach die „Erfinderehre“ zuteilwerden. Eine richterliche Rechtsfortbildung ist abzulehnen, da der hierzu erforderliche Raum einer Gesetzeslücke nicht besteht.

 

BPatG, Beschluss v. 11.11.2021 - 11 W (pat) 5/21

Details zu der Entscheidung

 

Arbeitsgericht Hamburg: Keine Mitbestimmungspflicht des Betriebsrats bei der Einführung von ChatGPT (16. Januar 2024)

Das Arbeitsgericht in Hamburg hat in einem Beschluss festgestellt, dass der Betriebsrat eines Hamburger Medizintechnikherstellers, der rund 1600 Mitarbeiter am Stammsitz beschäftigt, kein Mitspracherecht bei der Implementierung von Künstlicher Intelligenz (KI)-Systemen wie ChatGPT hat. Der Betriebsrat hatte versucht, den Einsatz von KI-Technologien im Unternehmen durch einstweiligen Rechtsschutz zu unterbinden. Das Gericht wies diese Anträge jedoch als teilweise unbegründet und teilweise unzulässig zurück.

 

Das Unternehmen hatte geplant, seinen Mitarbeitern generative KI als neue Werkzeuge zur Unterstützung ihrer Arbeit anzubieten. Nach einer anfänglichen Sperre des Zugangs zu ChatGPT veröffentlichte es Richtlinien für die Nutzung dieser und ähnlicher Dienste auf seiner Intranet-Plattform. Die Nutzung solcher KI-Systeme erfolgt über Webbrowser und nicht direkt auf den Computersystemen des Unternehmens. Die Mitarbeiter müssen mögliche Kosten selbst tragen, und das Unternehmen hat nach eigenen Angaben keine Kenntnis darüber, wer, wann und in welchem Umfang die KI-Dienste nutzt.

 

Das Gericht argumentierte, dass die Regelungen zur Nutzung von KI-Tools als mitbestimmungsfreies Arbeitsverhalten zu betrachten sind. Es wurde festgestellt, dass der durch die Nutzung dieser Tools möglicherweise entstehende Überwachungsdruck nicht vom Arbeitgeber, sondern vom Dienstanbieter ausgeht.

 

Die Entscheidung dürfte einen Sonderfall betreffen und ist nicht eins zu eins auf andere Fälle zu übertragen, in denen der Arbeitgeber den eigenen Mitarbeitern ChatGPT-Zugänge stellt.

 

ArbG Hamburg, Beschluss vom 16.01.2024, Az: 24 BVGa 1/24

Details zu der Entscheidung

 

 

DEUTSCHE ENTSCHEIDUNGEN (Sonstige)

Deutscher Presserat: Rüge wegen fehlender Kennzeichnung von KI generierten Bildern

Der Deutsche Presserat hat die Zeitschrift LISA für ein Rezeptheft gerügt, dessen Illustrationen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt wurden.

 

Deutscher Presserat, Az 0430/23/1: "99 Pasta-Rezepte", Ziffer 2 (Sorgfaltspflicht), Rüge veröffentlicht am 05.02.2024

Details zu dieser Entscheidung finden Sie hier.

 

 

ENTSCHEIDUNGEN VON US-GERICHTEN UND ÄMTERN

 

UNITED STATES DISTRICT COURT FOR THE DISTRICT OF COLUMBIA

A work of art created by artificial intelligence without any human input cannot be copyrighted under U.S. law, a U.S. court in Washington, D.C., has ruled on August 18, 2023.

 

Only works with human authors can receive copyrights, U.S. District Judge Beryl Howell said on Friday, affirming the Copyright Office's rejection of an application filed by computer scientist Stephen Thaler on behalf of his DABUS system.

 

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Das Urteil bestätigt die unten genannte Entscheidung des US-Copyright Office in Sachen “A Recent Entrance to Paradise”.

 

ENTSCHEIDUNGEN DES US COPYRIGHT OFFICE

 

Review Board Decision on Théâtre D’opéra Spatial (Sept. 5, 2023)

The Review Board of the United States Copyright Office (“Board”) has considered Jason M. Allen’s (“Mr. Allen”) second request for reconsideration of the Office’s refusal to register a two-dimensional artwork claim in the work titled “Théâtre D’opéra Spatial” (“Work”).

 

After reviewing the application, deposit copy, and relevant correspondence, along with the arguments in the second request for reconsideration, the Board affirms the Registration Program’s denial of registration. The Board finds that the Work contains more than a de minimis amount of content generated by artificial intelligence (“AI”), and this content must therefore be disclaimed in an application for registration.

 

Because Mr. Allen is unwilling to disclaim the AI-generated material, the Work cannot be registered as submitted.

 

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Registration Decision on Zarya of the Dawn (Feb. 21, 2023)

The United States Copyright Office has reviewed the works of Kristina Kashtanova, seeking additional information concerning the authorship of her work titled Zarya of the Dawn (the “Work”). Ms. Kashtanova had previously applied for and obtained a copyright registration for the Work, Registration # VAu001480196.

 

The Office has completed its review of the Work’s original registration application and deposit copy, as well as the relevant correspondence in the administrative record.1 We conclude that Ms. Kashtanova is the author of the Work’s text as well as the selection, coordination, and arrangement of the Work’s written and visual elements. That authorship is protected by copyright.

 

However, the images in the Work that were generated by the Midjourney technology are not the product of human authorship. Because the current registration for the Work does not disclaim its Midjourney-generated content, we intend to cancel the original certificate issued to Ms. Kashtanova and issue a new one covering only the expressive material that she created.

 

Details zu der Entscheidung  

 

Review Board Decision on A Recent Entrance to Paradise (Feb. 14, 2022)

The Review Board of the United States Copyright Office has considered Steven Thaler’s second request for reconsideration of the Registration Program’s refusal to register a two-dimensional artwork claim in the work titled “A Recent Entrance to Paradise” (“Work”).

 

After reviewing the application, deposit copy, and relevant correspondence, along with the arguments in the second request for reconsideration, the Board affirms the Registration Program’s denial of registration.

 

Details zu der Entscheidung

 

Streitgegenstand einer Entscheidung des US-Copyright-Amtes: Théâtre d’Opéra Spatial (dt. Weltraum-Opern-Theater), generiert von Jason M. Allen mit Midjourney